In Schule und Studium bestanden für die meisten Referendare nur wenige Gelegenheiten, längere Vorträge zu halten. In der Unterrichtspraxis ist dagegen ein ständiger Stimmeinsatz erforderlich – die Mitteilung, der Vortrag, das Gespräch, das Vorlesen, die Moderation prägen den Unterrichtsstil der einzelnen Lehrkraft. Neben der Unterrichtsvorbereitung leistet die so genannte „Stimmkraft“ einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zum Unterrichtserfolg.
Einige Thesen:
• Die Stimme ist das wichtigste Werkzeug des Lehrers, und sie muss jahrzehntelang in
gleicher Qualität zur Verfügung stehen.
• Die Stimme verrät vieles von der eigenen Befindlichkeit.
• An der Stimme und der Art des Sprechens wird deutlich, ob Interesse sowohl am
Adressaten als auch am Inhalt des Gesprochenen besteht.
Ziele des Sprechunterrichts sind daher:
• die Authentizität des stimmlichen Ausdrucks
• die größtmögliche Schonung der Stimme im Unterrichtsalltag
• die Verständlichkeit der Sprache
• die bewusste Beziehung zum Adressaten
• das Erfassen von Nuancen und Zwischentönen in der Ausdrucksfähigkeit
• und ganz banal: die Scheu vor dem Vorlesen und Vortragen zu nehmen
Ablauf und Inhalt des Sprechunterrichts:
Im Laufe der vergangenen Jahre hat es sich als sinnvoll erwiesen, den Unterricht für Sprecherziehung an 5 Nachmittagen zu je 3 Zeitstunden (= 2 Doppelstunden) durchzuführen. Eine andere Möglichkeit ist es, zwei ganze Tage (Samstage) und einen Nachmittag zu verwenden.
Zahlreiche Übungen für Körper, Stimme und Sprache stehen auf dem Programm, um die wichtigsten Grundlagen des Sprechens zu fördern:
verbesserte Erdung, Entspannungsfähigkeit, reiche Variationsmöglichkeiten, Deutlichkeit.
Die Übungstexte reichen von Anekdotischem über Dramen bis zur Poesie, von reinen Übungs- und Nonsenstexten bis zur sprachlichen Darstellung und Gestaltung.
Bisher war der Ablauf generell:
Im Voraus:
Eine Einführungsstunde zur Organisation; einige Grundübungen zum Aufrichten und Loslassen
1. Nachmittag:
Übungen zur Basis; Körpergrenzen (Füße, Beine, Kreuzbein, Rücken, „Prominente“)
Vorlesen; Arbeit an den Vokalen uu-ii und aa
Zentrieren
2. Nachmittag:
Übungen zur Basis; Körperbewusstsein, insbesondere Gelenke
Nonsens-Gedichte zur Varietät der Sprache
Arbeit an allen Vokalen und an scharfen Konsonanten
3. Nachmittag:
Übungen an Fließen und Fantasie sowie an Präzision (Bälle und „Uhr“)
Wut; Dynamik; Intensität; tänzerische Leichtigkeit
4. Nachmittag:
„Sprechen ist Beziehung“
Basis- und Beziehungsarbeit mit dem Seil
Vokalansatz; sinngemäßes Phrasieren; interpretatorisches Lesen
5. Nachmittag:
Sprechen im Unterricht
Literatur:
• Hey, Julius; Reusch, Fritz: Der kleine Hey - Die Kunst des Sprechens
• Balser-Eberle, Vera: Sprechtechnisches Übungsbuch
• Werner: Richtig sprechen
• Arnhold, Verena: Stimmbildung als Persönlichkeitsbildung
• Höller-Zangenfeind, Maria: Stimme von Fuß bis Kopf
• Aderhold, Egon; Wolf, Edith: Sprecherzieherisches Übungsbuch
Übungsmaterialien:
Kurzgeschichten, Sprachspielereien, Dramen, Gedichte
Übungsleiterin:
Vera Meserle; OStRin (E/F), Ausbildungen in Sprecherziehung und Schauspiel; Diplom in Atempädagogik und Atemtherapie; u. a. m.




