„Ritterschlag“ für einen Erfinder

Neues von den Querdenkern

Was man in einem Erfinderclub eigentlich macht ist Außenstehenden oft schwer zu erklären.
Grob gesagt geht es meistens um ein Problem, das beschrieben wird. Dazu hat der Erfinder eine Idee, diese wird im Erfinderclub besprochen, kritisiert, verfeinert und weiter verfolgt, bis sie schließlich in einer präsentierbaren Form vorliegt.
Nun – das war die Kurzform der Beschreibung.

Tatsächlich ist die Tätigkeit des Erfinders häufig recht mühselig, zeitraubend und anstrengend.
Die Idee ist schnell geboren und wird in der ersten Euphorie auch begeistert weitergesponnen. Allerdings gelangt man bald an einen Punkt, an dem es gilt, Probleme im Detail zu lösen und man feststellt, dass das Vorhaben doch nicht so leicht zu realisieren ist, wie man sich das vorgestellt hat.

Silbermedaille für Markus Prieller auf der iENA 2019
Silbermedaille für Markus Prieller auf der iENA 2019

Manche, die mit ihrer Idee begeistert gestartet sind, verlieren dann irgendwann die Lust und kehren dem Erfinderclub wieder den Rücken.

Anders ein echter Erfinder: Er tüftelt weiter, findet nach und nach Lösungen für einzelne Probleme oder findet, auch in der Diskussion im Erfinderclub, neue Wege, die bisher noch gar nicht so angedacht waren. Bis schließlich das Projekt fertig ist, so dass es mit einem Modell, mit Plakaten und Flyern der Öffentlichkeit präsentiert werden kann, muss viel Fleiß, Gehirnschmalz und Engagement investiert und auch so manches Motivationsloch überwunden werden.

Wer das alles geschafft hat, steht schließlich auf unserem Stand auf der internationalen Erfindermesse iENA in Nürnberg, an der wir jährlich teilnehmen und präsentiert fast eine Woche lang internationalen Interessenten seine Erfindung.

Das alles hat auch Marcus Prieller, 9B, erreicht, der sich Gedanken über den zunehmenden Verkehr in den Städten gemacht und eine neuartige Lösung gegen den zu erwartenden Verkehrskollaps gefunden hat.

Das Problem des immer mehr zunehmenden Verkehrs lässt sich in verschiedene Felder aufteilen:
Das Auto ist häufig das bequemste, schnellste und dazu oft auch günstigste Fortbewegungsmittel um das individuelle Ziel direkt zu erreichen. Deshalb wird es bevorzugt genutzt.

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) dagegen wartet mit vielen Unannehmlichkeiten auf:

  • Er ist weniger komfortabel (Plastiksitz z.B. im Bus vs. Polster im Auto, beengte Platzverhältnisse ohne Privatsphäre).
  • Er ist umständlich (Weg zur Haltestelle, Warten auf das Verkehrsmittel, Abhängigkeit von unflexiblen Abfahrtszeiten).
  • Er ist zeitraubend (häufig kann das Ziel nicht direkt sondern erst über teils mehrfaches Umsteigen unter großem Zeitaufwand erreicht werden).

Diese Punkte machen den ÖPNV für viele Menschen so unattraktiv, dass sie lieber das eigene Auto nutzen und zum zunehmenden Verkehr in den Städten beitragen.

Viele Städte stehen vor diesem Problem, allerdings sind die bekannten Lösungen häufig mit gravierenden Nachteilen verbunden. Mehr Busse würden z. B. zum einen oft schlecht angenommen, beseitigen die oben genannten Nachteile meist nicht und tragen ebenfalls zum Verkehrsaufkommen bei. Neue U-Bahnen oder Straßenbahnen sind zusätzlich häufig aus städtebaulichen Gründen nicht machbar oder schlicht zu teuer. Selbst Seilbahnen sind immer wieder in der Diskussion. Diese können zwar größere Entfernungen überbrücken, sind aber nur als Verbindung zwischen wenigen Punkten einsetzbar.

Die Lösung:
Und hier setzt die Idee von Marcus Prieller an: das Urbane Mobilitätssystem.
Ein Netz von Schienen, ähnlich dem von Achterbahnen in Freizeitparks, kann mit wenig Aufwand in einigen Metern Höhe auf bestehenden Verkehrsflächen im gesamten Stadtgebiet installiert werden. Neu ist dabei die Idee, diese Schienen mit Weichen zu verbinden. Das Schienensystem wird befahren mit hängenden Kabinen in unterschiedlicher Größe, die je nach Bedarf individuell von den Fahrgästen z. B. per App angefordert werden können und an beliebigen Haltepunkten im Schienennetz bestiegen werden können. Der Fahrgast gibt sein direktes Ziel ein, und die Kabine wird, angetrieben von einem Elektromotor, auf idealem Weg automatisch auf dem Schienensystem dorthin geroutet.
Dieses Urbane Mobilitätssystem bietet also die Vorteile des Individualverkehrs (flexible Nutzung, ständige Verfügbarkeit, Privatsphäre, direkte Zielerreichung,…) mit Hilfe einer neuartigen technischen Infrastruktur, die aber im Vergleich zu anderen Lösungen mit geringerem technischen und finanziellen Aufwand realisierbar ist.

Demonstrationsmodell des Urbanen Mobilitätssystems
Demonstrationsmodell des Urbanen Mobilitätssystems

Nachdem sich eine Idee aber nur schwer präsentieren lässt, hat Marcus Prieller mit großem Aufwand ein Demonstrationsmodell des Urbanen Mobilitätssystems und ein Funktionsmodell einer möglichen Weiche hergestellt und seine Idee damit auf der iENA 2019 erfolgreich präsentiert, wo seine Arbeit mit einer Silbermedaille gewürdigt wurde.

Präsentation auf der iENA 2019
Präsentation auf der iENA 2019

Bis zu diesem Punkt wäre dieser Text eine ausführliche Beschreibung der Tätigkeit eines Erfinders am Beispiel von Marcus´ Erfindung.
Aber Marcus Prieller hat noch weitere Schritte unternommen und hat für seine Erfindung die Eintragung eines Gebrauchsmusters beantragt. Dieser Vorgang ist recht komplex und so erhielt Marcus tatkräftige Unterstützung von dem Patentanwalt Dr. Ulrich Bergmeier, dem wir dafür sehr dankbar sind.

Und so kann er schließlich als Ergebnis seiner aufwändigen Arbeit eine Urkunde über die Eintragung eines Gebrauchsmusters beim Deutschen Patent- und Markenamt in Händen halten – der „Ritterschlag“ für einen Erfinder.

Thilo Hirschbolz, StR

Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzinformationen