06.04.2026
Ausflug des Wahlfachs Bienen zur Wachszieherei Hipp nach Pfaffenhofen
Am 20. März besuchten die Schülerinnen und Schüler des Wahlfachs Bienen des Apian-Gymnasiums das Wachszieherei-Museum Hipp in Pfaffenhofen, das sich in dem gleichnamigen Café im Zentrum der Stadt befindet.
Nach einer halbstündigen Bahnfahrt und zwanzig Minuten Fußmarsch wurden wir persönlich von Herrn Hans Hipp, dem Senior-Chef empfangen.

Heute bekannt ist das Haus Hipp durch die bekannte Baby-Nahrung. Wir von der Bienen-AG wollten aber wissen, welche Historie es noch zum Hause Hipp gibt. Hans Hipp führte uns deshalb in die beeindruckende Hipp-Geschichte mit Lebzelterei, Konditorei und Wachszieherei, die vor ungefähr 400 Jahren begann, ein. Erst im letzten Jahrhundert kam die berühmte Babynahrung dazu. Hans Hipp ist der Cousin des Baby-Nahrungsherstellers Hipp. Er selbst ist in der Konditorei und in der Wachszieher-Werkstatt aufgewachsen und hat beide Handwerksberufe erlernt.
Hans Hipp begleitete uns zum im ersten Stock des Cafés befindlichen kleinen Wachsmuseum. Er erzählte uns, dass in der mittelalterlichen Zunftordnung nur der „Lebzelter“ die Produkte der Biene - Honig und Wachs - verarbeiten durfte.


Lebzelter hatten das Monopol auf Licht und süßes Backwerk: Wir erfuhren, dass nur diese Zunftmitglieder Kerzen, Wachsstöcke, Votivgaben und Lebkuchen herstellen durften. Insbesondere Kirchen und Klöster verwendeten Kerzen als Licht. Bevor Strom künstliches Licht brachte, versorgte das Haus Hipp Ende des 19. Jahrhunderts im näheren Umkreis mehr als 80 Pfarreien mit Kirchenwachs.
Wir hörten, dass der Begriff „Lebzelten“ aus mittelhochdeutschen Wörtern abgeleitet ist und „flacher Fladen“ bedeutet. Hergestellt wurden sie mit Bienenhonig. Dieser war der traditionell wichtigste Süßstoff, bevor es Zucker gab.
Lebkuchen dienten in den vergangenen Jahrhunderten ganzjährig als wertvolles nahrhaftes Lebensmittel. Man brach sich immer kleine Stücke ab und lutschte diese. Gleichzeitig waren sie auch kleine Kunstwerke. Hans Hipp zeigte uns hölzerne Honigkuchenformen (Model), in die der Teig gedrückt und dann gebacken wurde. Da Lebkuchen einst günstiger als Papier waren, dienten sie auch dazu, Bilder von bekannten Persönlichkeiten und Neuigkeiten zu verbreiten: Es gab sie zum Beispiel mit Porträts von Kaisern, der Dampflokomotive und geschichtsträchtigen Abbildungen, wie türkischen Kriegern in der Schlacht vor Wien. Die Lebzelter waren handwerklich und künstlerisch sehr geschickt beim Schnitzen ihrer Holz-Model für die Lebkuchen.
Nachdem die Bilddarstellungen auf den Lebkuchen aus der Mode kamen, verbrannten bedauerlicherweise viele Konditoren ihre Holzmodel. Im Hause Hipp sind noch viele erhalten.

Was in industriellen Betrieben heute undenkbar ist, wird im Hause Hipp gepflegt: der Honigteig für die Lebkuchen wird auch heute noch mindestens neun Monaten kühl und dunkel gelagert, um zu reifen. Er wird jährlich Mitte Mai angesetzt und an Weihnachten mit weiteren Zutaten wie Eiern, Nüssen und Gewürzen zu Lebkuchen verbacken.
In der Wachszieherei stellte man früher aus Bienenwachs Kerzen, Votivgaben und Wachsstöcke her. Für Wachskerzen in Kirchen und Klöster wurde das gelbe Bienenwachs aufwändig durch Sonnenbestrahlung gebleicht.
In der „Wachszuganlage“ – sie diente für die Anfertigung langer Kerzen - ist der Docht auf zwei gegenüber liegenden großen Trommeln aufgespannt. Zwischen den Trommeln wird er in flüssiges Wachs getaucht. Kurbeln muss ein Mensch, „ein Hamster eignet sich nicht“, antwortet Herr Hipp auf die entsprechende Frage eines Schülers. Die meterlangen warmen Wachsrohlinge werden danach zugeschnitten.
Früher gab es keine Krankenversicherungen und nur wenig oder gar keine Ärzte. Das einfache Volk bat daher in Notlagen und bei Krankheiten um himmlischen Beistand. Als Bitt- und Dankopfer brachten die Menschen Wachsfiguren, sogenannte Votive, von erkrankten Körperteilen, zum Beispiel eine Hand (nach einer schweren Verletzung) oder Augen (zum Beispiel bei grauem Star) auf den Altären von Wallfahrtskirchen dar.
Da Wachs sehr begehrt und teuer war, verschwanden regelmäßig Votivgaben von den Altären. „Der Mesner oder Gläubige haben sie im Vorbeigehen mitgenommen und wieder eingeschmolzen – oder auch der Pfarrer selbst“, berichtete Hipp. Um Diebstahl zu verhindern, wurden sie deshalb vorsichtshalber rot eingefärbt, so wurden die Votive im weltlichen Sinne wertlos. In der Hipp’schen Sammlung gibt es noch viele solcher Votivbilder.

Als Beispiel für Votive nannte Herr Hipp auch das Pferd, das wichtigste Arbeitstier auf dem Bauernhof. Fatschenkinder, in Wachs gewickelte Abbildungen von Babys sollten für reichen Kindersegen sorgen.
Etwas erschöpft von den vielen Informationen wie wertvoll Honig und Wachs unserer Bienen früher war, stärkten wir uns vor der Heimfahrt mit leckeren handgefertigten Pralinen aus dem Café.

Die Apian-Bienengruppe bedankt sich bei Herrn Hipp für die großartige und beeindruckende Führung!
Bienen-AG im Apian
Maria Werner
(Fotos Maria Werner)